Le Perthus

Le Perthus, einst wohl – wenn vielleicht auch nicht unter diesem Namen – die stolze Bewacherin des Weges aller Wege zwischen Spanien & Frankreich, Gallizien & Okzitanien. Noch heute thront die mächtige Festung „Bellegarde“ in der Mitte des Tales auf einem Hügel. Schon zu den Zeiten der römischen Imperatoren zog die „Via Domitia“ bis an deinen Saum, um mit sich die Legionen handelnden Volkes bis in die letzten Provinzen des Reiches zu tragen. Im Mittelalter dann ganz ähnliches Spiel nur mit mehr Kirche und so. Die erst jüngst freigelegten Grundmauern (um 2000 n.Chr.) oder die mehr als eine Handbreit in den Stein geschliffenen Wagenspuren sind stumme Zeugen dieser Jahrtausende alten Grenzstation. Le Perthus, heute eine von diesen schmierigen kleinen Grenzstädten, die keine mehr sind; mit ihren gefliesten Gehwegen, die uns Tentakeln gleich den schundbeladenen Shops zuführen sollen: Motorradhelme, drittklassige; Handtaschen der ganz großen Marken, ein spanischer Supermercado, eine glanzlose Bar mit verblichenen Cocktails im 4-Farbdruck, ein Schuhgeschäft und überall: einzigartige Preise und die kleinen Bargeld-Gauner von Vorgestern, wie sie gelangweilt auf das Fußballspiel der Flat-TV’s starren oder wahlweise schwer auf gespreizten Beinen über ihre Smartphones gestützt, träge auf dem Display umherswitchen und -swooshen – auf den nächsten Kunden, das nächste Opfer wartend. Die Karren stehen am Straßenrand alle mittelmäßig auf Als-ob-Porsche getunt in der Mittagshitze herum. Sie repräsentieren von vereinzelten Chicas auf dem Beifahrersitz abgesehen den ganzen Stolz der Besitzer. Der einzig echte Porsche rollt hingegen gelangweilt-interessiert auf der Suche nach einem standesgemäßen Restaurant die Straße hinunter; ohne anzuhalten. Danke EU. Danke Autobahn, die Du mehr als sprichwörtlich Le Perthus mit deiner Riesenbrücke in den Schatten stellst und ein für allemal klarmachst: Es war einmal.

[Irgendwann im September 2013 auf dem GR 10 Richtung Mittelmeer.]

Le Perthus [Symbolfoto] (CC BY-SA 3.0; https://commons.wikimedia.org/wiki/User:Toniher)

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Eigentum – Sie hatten keines oder hatten es zusammen

Langweiliger aber thematisch passender:
Herausforderung Gemeinschaft: Funktionswohnen, Kollektives Eigentum, Dinge organisieren oder Handeln mit Verantwortung

Einige Menschen wissen schon Bescheid: Wir, d.h. ich und andere Mitbewohner_innen in meinem Hausprojekt tragen uns mit dem Gedanken des Funktionswohnens (FuWo’s). Hier soll jetzt folgen, welche Gründe für mich für diese Form des Zusammenlebens sprechen und warum ich sie für eine politische weil private Herausforderung in der Auseinandersetzung mit mir selbst halte und warum das keineswegs der Weisheit letzter Schluss, sondern vielmehr ein Aufruf zur Diskussion und Suche nach alternativen Lösungsansätzen, Ideen, Anregungen, Reaktionen – erbosten als auch erfreuten – und dem ganzen Kladderadatsch ist, der sich da Vielfalt nennt und herzlich willkommen ist.

Vieles hat seine Wurzeln in der Vergangenheit und so auch die kleine, persönliche Geschichte meines Privateigentums. Ich bin in ziemlich wohlhabenden Verhältnissen aufgewachsen. In der Rückschau gesehen konnte ich nie materiellen Mangel beklagen. Meine Realität hielt lediglich dem Vergleich mit dem Sportwagenquartett nicht stand. Doch damals war mir eben noch nicht bewusst wie gewaltvoll das Denken in (Sich-)Vergleichen sein kann.

Neue Perspektiven erfahren
Vor einigen Jahren unternahm ich dann eine ausgedehnte Reise durch die Americas der Mitte und des Südens. Hier hatte ich die wertvolle Chance diesen meinen materiellen Reichtum aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Ich war jetzt nicht mehr ziemlich wohlhabend. Ich war verdammt wohlhabend. Weil ich mir selten Gedanken über Geld machen musste und wenn dann waren es nie Existenzielle. Gleichzeitig genoss ich die wohl größte Freiheit meines Lebens: Weg von zu Hause, eigene Entscheidungen treffen und ganz ohne Erwartungen an meine Person, weil mich bis auf einen niemand dort kannte, wo ich hin kam. Was auch dazugehörte: Ich verfügte in dem Moment über knapp einen Rucksack voller Dinge, die es zu verwalten galt. Auch dieser Besitz wurde mit der Zeit immer kleiner. Bis ich irgendwann vollkommen auf mich gestellt mit dem Postschiff stromauf den Amazonas durchquerte, mit nur der Sorge um Tagebuch und Notizheft. Es war auf einmal erstaunlich viel Zeit da, die ich mit Menschen und Büchern verbringen konnte.

Flucht aus der Gemeinschaft in die Gemeinschaft
Nach Monaten dieser Unabhängigkeit wurde ich des Reisens überdrüssig und kehrte freiwillig in das Haus meiner Eltern zurück; mit dem Vorsatz, wieder eine Zeit lang mit meiner Familie zusammen zu leben. Ich war nachhaltig beeindruckt von meinen Reisen; wie vielen Menschen doch die mir bis dato selbstverständliche Flucht aus dem elterlichen Hause in die eigene Wohnung verwehrt ist. Ein guter Freund würde diese Flucht vermutlich als liberale Hintertür benennen. Jedenfalls sah ich, wie vielen Menschen für die Option „Ruhe-der-eigenen-4-Wände“ schlicht die finanziellen Möglichkeiten fehlten. Sie waren zur Gemeinschaft und zur Aushandlung gezwungen. Ich selbst hatte die Wahl und entschied mich dieses Mal bewusst für die Gemeinschaft der Familie. Wir hielten es in dieser Gemeinschaft nur begrenzt lange miteinander aus. Nach 1,5 Jahren zog ich wieder aus und suchte mir als nächstes eine sog. intentionale Gemeinschaft: Das Hausprojekt, welches ich schon einige Jahre über Freund_innen kannte. Ein Grund für diese Wahl war die Idee vom Kollektivbesitz. Küche, Bäder, Gemeinschaftsraum, Werkzeug, Werkstatt, Klopapier und Zahnpasta standen uns allen zur Verfügung.

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Nein zum EU-Assoziierungsabkommen mit Zentralamerika!

Will sich die EU mit Unrecht und Verbrechen verbinden?

Entscheidung über Assoziierungsabkommen EU-Zentralamerika läuft jetzt

Zentralamerika befindet sich in einer äußerst schwierigen Situation. In den vergangenen Jahren wuchs die Art und die Zahl von Gewaltverbrechen vor allem in den nördlichen Ländern Mittelamerikas extrem stark an. Guatemala und Honduras gehören zu den gefährlichsten Ländern Lateinamerikas. Seit dem Putsch in Honduras gibt es dort die höchste Mordrate weltweit.

Hinter der Gewalt stecken zum einen das organisierten Verbrechen, Drogenhandel und Paramilitärs im Auftrag der Mächtigen. Wesentlich verantwortlich für explodierende Gewalt ist aber die weitgehende Straffreiheit, sind die äußerst schwachen demokratischen und rechtstaatlichen Institutionen. Die Ursachen der strukturellen Gewalt liegen in der extremen sozialen Ungleichheit, in der Diskriminierung von Frauen und indigener Völker, der Reproduktion von Hunger, Armut und den davon ausgehenden sozialen Konflikten.

Das von der EU in den vergangenen Jahren mit den Regierungen in Mittelamerika ausgehandelte Assoziierungsabkommen steht jetzt zur Entscheidung an. Am Donnerstag, 25.04. wurde im Bundestag über das Assoziierungsabkommen mit den Stimmen der Koalition gegen die geschlossen stimmende Opposition beschlossen. Nachzulesen ist das Plenumsprotokoll zum Assoziierungsabkommen hier .>.> http://dipbt.bundestag.de/dip21/btp/17/17237.pdf#P.29958 (TOP 18, S. 195-202).

Als nächstes wird der Bundesrat über das geplante EU-Abkommen entscheiden (voraussichtlich am 7. Juni 2013). Hier könnten die Länderregierungen von SPD / Grünen / Linken das Assoziierungsabkommen zurückweisen. Damit dies möglich wird, bedarf es nicht nur einer funktionierenden Kommunikation zwischen den Oppositionsparteien im Bundestag und ihren Ländervertretungen, sondern es ist viel öffentlicher Druck notwendig. Damit die Landesregierungen gegen das Assoziierungsabkommen stimmen, kommt es vor allem auf die Mobilisierung in den Ländern an.

Die wesentlichen Kritikpunkte am Assoziierungsabkommen:
a) Menschenrechte, Arbeitsrechtliche und Umweltstandards haben keinen ausreichendes Stellenwert in den ausgehandelten Abkommen. Es gibt keine funktionierenden Sanktionsinstrumente, die Handelsinteressen stehen weit über Menschen- Arbeits- und Umweltrecht.
b) Das Abkommen leistet keinen Beitrag zur eigenständigen und nachhaltigen Entwicklung in der mittelamerikanischen Region, sondern fördert klassisch die Expansion der landwirtschaftlichen Mono-Produktion von Rohstoffen wie z.B. Palmöl und Zucker (Bio-Ethanol).
c) Die Verdrängung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft durch Agrarfabriken verschärft die sozialen Konflikte, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen.

Das zur Entscheidung vorliegende Assoziierungsabkommen stellt für die Menschen in Mittelamerika keine Unterstützung dar. Die Unterzeichnung würde die EU zu einem Partner der Regierungen und Konzerne in Mittelamerika machen, die für die desaströse Entwicklung der Gewalt und das soziale Unrecht stehen.

Helfen Sie mit, das ausgehandelte Assoziierungsabkommen EU-Zentralamerika in der jetzigen Form zu verhindern. Schreiben Sie an ihre Landesregierung, zeigen Sie auf, dass die EU durch dieses Abkommen eine Partnerschaft für Menschenrechtsverletzungen und soziales Unrecht eingehen würde.

http://www.stop-assoziierung.de/

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Mexiko-Themenabend im Projekthaus Potsdam

Neoliberalismus und der Kampf um Ressourcen in Mexiko

18.00 Uhr: mexikan. Vokü, Infostände, Lagerfeuer und Musik
19.00 Uhr: Vortrag

im Projekthaus Babelsberg

Rudolf-Breitscheid-Straße 146
14482 Potsdam

Referent_innen:

Felix Speidel:
Ist Politologe und Geograph und arbeitet seit mehreren Jahren ehrenamtlich für CAREA e.V. 2005 war er als Menschenrechtsbeobachter in Chiapas und zwischen 2011 und 2012 arbeitete er ein Jahr lang für die Organisation EDUCA A.C.
im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca, welche sich u.a. für eine
Aufarbeitung staatlicher Verbrechen und mehr Demokratie von
Unten einsetzt und indigene sowie kleinbäuerliche, soziale Bewegungen bei der Verteidigung ihrer natürlichen Ressourcen und Territorien unterstützt.
Nationale politische und ökonomische Eliten sowie internationale
Investoren sind in vielen Regionen des Landes an einer Privatisierung und Umnutzung von Land und anderen natürlichen Ressourcen interessiert, was oft einer Enteignung der ohnehin stark marginalisierten ländlichen Bevölkerung gleichkommt und unmittelbar deren wirtschaftliche, soziale und kulturelle Menschenrechte verletzt. Lokale ökologische und dabei oft indigene soziale Bewegungen, die ihre Territorien gegen die kapitalistische Inwertsetzung verteidigen, werden oftmals kriminalisiert und sind insgesamt starker Repression
und Gewalt ausgesetzt. Dies wird das Thema Felix`s Vortrag im
Projekthaus sein.

Ronja und Micha:
Sind vom Cafe Libertad und werden über die aktuelle Situation sowie ihre kollektive Arbeit zur Unterstützung der zapatistischen Bewegung in Mexiko berichten.
Am 1.1.1994 haben sich die Zapatistas, großteils Indigene aus dem Süden Mexikos, zum ersten Mal lautstark erhoben, um sich gegen das Freihandelsabkommen NAFTA, ihre Unterdrückung und Diskriminierung zu wehren.
Die zapatistische Bewegung stellt den einzigartig großangelegten Versuch dar, sich Lebensweisen, das eigene Land und Handel(n) –nicht-kapitalistisch und im emanzipatorischen Sinne (wieder-) anzueignen. Zum Beispiel durch Cooperativ-Betriebe, gemeinschaftlich verteiltes Land, das Erfüllen von „Cargos“ – den unentgeltlichen Gemeindearbeiten. Auch die Frauen streben neue Rollen an, Partizipieren zunehmend und haben die „Revolutionären
Frauengesetze“ durchgesetzt.

http://www.projekthaus-potsdam.de/

 

 

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Neuer Dokumentarfilm zum Windpark

Sehr guter Dokumentarfilm (auf spanisch) über den Konflikt um den Windpark im Isthmus von Tehuantepec, Mexiko. Bald auch mit Untertiteln.

 

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Reisebericht

Reisebericht Südmexiko

1. Etappe: Der Isthmus von Tehuantepec (schmalste Stelle Mexikos)

Juchitan, angeblich die Stadt der Frauen und Muxe (3. Geschlecht), allzu viel hab ich davon allerdings nicht mitbekommen. Die Stadt war nich sonderlich schön, es gab einen großen typischen mexikanischen Markt mit viel Obst und Gemüse und natürlich Fleisch. In der Mehrheit haben das Frauen verkauft, was aber auch in Oaxaca meist so ist. Juchitan soll stark von der indigenen Kultur geprägt sein auch davon hab ich zumindest im Vergleich zu Oaxaca nicht allzu viel mitbekommen. Es gab Frauen in traditionellen Trachten und auf dem Markt konnte man auch einige zapotekische Gespräche aufschnappen aber es war nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Zudem wurde man von buntem Plastik und Kitsch und China-Ware förmlich erschlagen. Vom aktuellen Windparkkonflikt im Isthmus habe ich, zumindest in der Stadt, nichts mitbekommen aber so ist das wohl wenn man nur ein paar Tage auf der Durchreise ist. Ansonsten hat man schon ein paar Muxe gesehen, die ganz normal im Stadtbild vertreten waren. Im Jardin Juárez, dem Platz im Stadtzentrum, nicht wirklich ein Park, war abends ne Vogelplage, es war unendlich laut und in den wenigen Bäumen tummelten sich Scharren von Vögeln. Durchgehen war nicht möglich, es sei denn man wollte von oben bis unten mit Vogelscheiße voll sein , dementsprechend war es auch unmöglich sich auf die Bänke zu setzen, die voll mit Vogelscheiße waren und gestunken hat es natürlich auch. Frühs haben die Reinigungskräfte die Vogelscheiße entfernt, so dass man zumindest tagsüber im „Park“ sitzen konnte. Das einzige wirklich Sehenswerte war das „Casa de la Cultura“, also das Kulturhaus, es handelt sich um ein großes Haus mit riesigen Innenhof, auf dem man Ruhe findet, dort befindet sich eine Ausstellung mit Bilder, die die Invasion der Kolonialisten und den indigenen Widerstand dagegen abbilden. Die Bilder sind sehr schön, sehr farbenfroh. Dann gab es noch 2 temporäre Ausstellungen, eine von einem Künstler, der in seine Bilder Spiegel benutzt, sehr schöne Idee. Dann gab es noch eine moderne Fotoausstellung mit Bildern verschiedener Menschen aus dem Isthmus, u.a. wurden einige Muxe porträtiert und Marktfrauen, alte Menschen, Frauen, Männer, Kinder. Das Ganze war außerdem noch kostenlos.

An einem anderen Tag haben wir einen Ausflug zum „ojo de agua“ (Quelle) nach Ixtepec gemacht. Auf dem Weg dorthin, es ist ca. ne dreiviertel Stunde von Juchitan entfernt, ist man an den Bahngleisen, wo die Migranten auf ihrem Weg in die USA ankommen bzw. umsteigen vorbeigekommen und in dessen Nähe sich die Migrantenherberge von Padre Solalinde befindet, auf der auch immer Freiwillige willkommen sind, um mitzuhelfen. Es war ein komisches Gefühl an diesem Ort, über den man schon so viel gehört hat, zu sein und sich die Schicksale der tausenden Migrant_innen zu vergegenwärtigen. An dieser Stelle auch ein Verweis auf den Film „Sin Nombre“, in dem der tödliche Weg vieler tausender Migranten auf ihren Weg durch Mexiko in die USA gezeigt wird. Da wir einen sehr redseligen Taxifahrer hatten, versuchte ich das Thema vorsichtig anzuschneiden, immerhin ist die Migrantenherberge und auch der Pfarrer schon des Öfteren massiv bedroht wurden. Er war auch bereit darüber zu reden und erzählte woher die Migranten kamen, die meisten aus Guatemala, Honduras, El Salavador und Nicaragua, dass einige hier bleiben und in der Region arbeiten und andere nur auf der Durchreise Richtung USA sind und nur eine kurze Pause in der Herberge machen. Dann kamen wir bei der Quelle an und es stellte sich als riesiges Spaßbad heraus, mit verschiedenen angelegten Becken, vielen mexikanischen Kindern und Jugendlichen. Natürlich waren wir 3 Gringas die Hauptattraktion. Ein paar Jugendliche haben uns auf Englisch angesprochen und wollten Englisch lernen, sie waren überrascht, dass ich auch spanisch spreche und zur Zeit mein Englisch verloren habe 😉 Dann ging es wieder zurück in die Stadt. Im Taxi hörten wir zapotekische Musik, es gibt einen Radiosender der auf zapotekisch sendet. Es war interessant die Sprache zu hören, die Musik ist sehr melancholisch, der Taxifahrer hat mir auch 2 Sänger_innen empfohlen, die ich allerdings schon wieder vergessen hab. So ist es, wenn man sich nicht sofort alles aufschreibt. Man wird ja auch nich jünger. Schade. Auf dem Rückweg haben wir dann auch Migranten an der Straße stehen sehen, die um Geld bettelten.

2. Etappe San Cristobal, Chiapas

Von Juchitan ging es weiter im Bus nach San Cristobal. Ich war schon ganz aufgeregt, weil ich doch nun endlich Chiapas sehen würde, der Grund warum ich ursprünglich nach Mexiko gegangen war. Es gab also keine 2. Klasse-Verbindung von Juchitan nach San Cris, dann also doch 1. Klasse, in diesen wunderschönen vollklimatisierten, d.h. eiskalten Bussen, teilweise waren da nur 15 Grad und das über Stunden und draußen herrschen 40 Grad. Vollkommen unverständlich, alle frieren aber keiner beschwert sich oder geschweige der Busfahrer kommt mal auf die Idee die Klimaanlage etwas wärmer zu stellen. Ich bin noch auf der Suche nach einer vernünftigen Erklärung für diesen Wahnsinn. Habe auch schon verschiedene Leute dazu befragt, alle sagen nur: Ja, das is schon immer so und selbst wenn man was sagt, soll es den Busfahrern egal sein. Na gut also dicke Sachen für die Busfahrt und Decke eingepackt und auf geht’s. Wir kommen vorbei an riesigen hässlichen Windparks,  die links und rechts der Straße stehen aber schon nach einer Stunde war Schluss mit unserer Reise. Der Busfahrer sagt was von Straßensperre und dass wir nicht weiterkommen und 2 km über die Autobahn laufen müssen aber auf der anderen Seite würde schon ein Bus auf uns warten. Ok, alle steigen aus, Frauen mit verschiedenen Waren, die sie auf dem Kopf transportieren, Tussis mit 15 cm High-Heels ziehen ihre Rollkoffer über die Straße. Ich bin froh endlich raus aus dem scheißkalten Bus zu sein und mein Adrenalinspiegel steigt, in Erwartung doch noch was vom Konflikt um den Windpark live mitzubekommen. Also geht’s los: 5 Gringos mit Reiserucksäcken, meine Mama und Oma mit Rollkoffern, die Armen, 3 km über die Autobahn in der Mittagshitze, vorbei an Truckfahrern die uns unfreundlich begrüßen, weiteren Reisebussen u.a. mit deutschen Touris, Kleinwagen, Taxis. Weit und breit nichts von einer Straßensperre zu sehen. Der Adrenalinspiegel steigt, schweiß strömt aus allen Poren, was für eine Straßensperre wird es wohl sein, die Bullen oder das Militär, die Narcos (Drogenhändler) oder doch die Windparkgegner? Bei einer Pause unterhalte ich mich mit einer Mexikanerin, die mir bestätigt, dass es sich tatsächlich um eine Blockade der Windparkgegner handelt. Ich bin wohl weit und breit die Einzige die sich darüber freut. Und weiter geht’s, immer noch nichts zu sehen. Dann erreichen wir die Blockade, ziemlich unspektakulär, keine Plakate oder sonstiges was die Blockade als solche klassifizieren würde, nur 2 dicke lachende Frauen in traditioneller Kleidung begrüßen uns. Ich grüße zurück und lache. Einige Autos der Bundesregierung sind vor Ort aber keine Bullen oder Militär, sieht relativ entspannt aus. Ungefähr 10 Campesinos (Bauern) und Aktivisten stehen rum, bewaffnet mit Stöckern. Die Straßensperre ist aus Reifen und Holzplatten und Lastwagen. Auf der anderen Seite steht auch eine Schlange von Autos und Bussen. Allerdings von unserem angekündigten Bus weit und breit nichts zu sehen. Mir dämmert, dass da vielleicht auch gar kein Bus kommt. Wir kommen vorbei an einer Installation der Migra und Grenzpolizei, die haben da so ´ne Art Grenzkontrolle zwischen Oaxaca und Chiapas und nen Knast, jedenfalls sind da Menschen drin, die rufen sie sind Migranten aus Südamerika, mehr versteh ich leider nicht, alles geht total schnell, es bleibt gar keine Zeit zum Denken. Kollektiv-Taxis fahren und bieten uns ihre Dienste an. Die Mexikaner steigen ein, also wir auch, für 10$ pro Person, keine Ahnung wohin, angeblich zu unserem Bus. Totales Chaos, weil nicht das ganze Gepäck reinpasst, also alle noch mal umsteigen. Wir sind drin, ein bisschen Panik wo sie uns jetzt nun hinbringen. Die Fahrt endet nach 10 Minuten, nun verlangt der Fahrer aber das Doppelte vom vereinbarten Preis, ich brubbel ihn unfreundlich auf Spanisch zu und es hat Erfolg, denn wir zahlen nur den vereinbarten Preis. Keine Ahnung wo wir sind, sieht aus wie ein kleines Busterminal, zum Glück sind die Anderen aus dem Bus auch da. Ich rede mit dem Menschen am Busschalter, er sagt, dass in 2 Stunden ein Bus ins nächste Dorf kommt. Na toll, wir müssen doch unseren Anschlussbus in Tuxtla bekommen! Die 2 Franzosen aus dem anderen Bus wollen mit dem Taxi ins nächste Dorf, das soll aber 200$ kosten. Dank meines Geizes bleiben wir also und siehe da nach 15 Minuten kommt ein Bus der uns umsonst ins nächste Dorf mitnimmt. In Arriaga angekommen, funktioniert alles ganz einfach mit dem Umbuchen, wir müssen nichts weiter bezahlen und der nächste Bus kommt in ner halben Stunde. Alles noch mal gut gegangen. Ja, so kann ne Busfahrt in Mexiko laufen. Meine Oma und meine Mama wirken sehr besorgt, meine Oma glaubt nicht mehr daran, dass wir jemals noch in San Cris ankommen. Ich nehms mit Humor, noch eine Sache die mich Mexiko gelehrt hat. Irgendwann kommen wir in Tuxtla an, müssen noch ne knappe Stunde auf den Bus nach San Cris warten. Wir gehen ins nahegelegene Einkaufszentrum und wieder wird einem die nebeneinander existierenden Parallelwelten in Mexiko bewusst: ein riesiges blitzeblankes Kaufhaus, mit allen möglichen Einkaufsläden und Fressständen internationaler Unternehmen. Totales Kontrastprogramm zu den vergangenen Stunden. Wir essen chinesisch. Dann geht’s weiter nach San Cris, durch Berge, grüner als in Oaxaca. Nach einer Stunde sind wir in San Cris, es ist kalt und grau und sieht nach Regen aus. Wir nehmen ein Taxi zum Hotel. Es ist verdammt kalt. Gehen was essen und treffen dann noch eine andere Welthaus-Freiwillige und besuchen sie in ihrem neuem zu Hause (liebste Grüße an I., hoffe du genießt die Zeit in vollen Zügen mit deinem Schatzi!).

Nächsten Tag ging es nach LAGUNAS DE MONTEBELLO Y CASCADAS DEL CHIFLON. Gleich nach dem Frühstück ging es los, es war immer noch saukalt und grau. Die Wasserfälle waren sehr schön und dort war es auch wärmer. Wahnsinn was Wasser für eine Kraft hat, wir standen vor einem bestimmt fast 100m hohen Wasserfall, dessen Wasser mit lautem Getöse nach unten krachte, schnell war man von oben bis unten pitschnass aber es war ein einzigartiges Naturschauspiel und mein erster großer Wasserfall. Fotos könnt ihr hier bewundern. Dann ging es noch zu den Lagunen, leider regnete es und ich hatte meine Regenjacke in Oaxaca gelassen in der festen Überzeugung, dass ja Trockenzeit sei. Alles war schlammig. Die Lagunen sind sicherlich im Sommer wunderschön und man kann dort dann auch baden.

Am 3. Tag haben wir eine Tour zum CAÑON DEL SUMIDERO gemacht. Dieser Ausflug war wirklich wunderschön. Man fährt mit einem Boot durch den Cañon, auf dem Weg haben wir Krokodile, viele Vögel und Affen gesehen. Der Cañon ist atemberaubend und ein Wahrzeichen Chiapas. Am Ende erwartete uns eine Sperre der CFE, der mexikanischen Elektrizitätsbehörde, die dort einen Staudamm haben und den Weg einfach gesperrt haben. Viele Gemeinden in Chiapas sind im Widerstand gegen die ständig steigenden Strompreise, da der Strom ja auf ihrer Erde produziert wird und sie trotzdem immer höher steigende preise zahlen müssen. Dann waren wir noch in Chiapa de Corzo, einer schönen Stadt, wärmer als San Cris, an einem See gelegen mit einem Bauwerk auf dem Hauptplatz, das wie die Gerichtslaube im Babelsberger Park aussieht.

Am nächsten Tag ging es früh um 6 Richtung Palenque, einer der bekanntesten Mayastätten Mexikos, dort wo am 21. Dezember die Zapatisten aufmarschiert sind und gleichzeitig tausende Hippies und Esoteriker sich auf den „Weltuntergang“ vorbereitet haben. Auf dem Weg dorthin kamen wir noch an den CASCADAS AGUA AZUL und MISOL-HA vorbei. Agua Azul ist ein umstrittenes Turiausflugsziel, da dort große Auseinandersetzungen zwischen den Zapatisten, denen das Land gehört und einer Gruppe von PRI-Anhängern gab. Die Situation scheint auch immer noch sehr angespannt zu sein, zumindest meinte unser Fahrer, dass wir uns nicht zu weit entfernen sollen, weil das zapatistisches Gebiet sei. Ansonsten gabs dort die üblichen Touribuden mit Andenken aus Chiapas bzw. aus China (China-Ware) und auch EZLN-Shirts. Ziemlich makaber alles. Ich hab mich ziemlich unwohl gefühlt. Weiß jemand Genaueres oder Aktuelleres zur Situation vor Ort? Die Chiapas-Leute vielleicht? Dann gings weiter nach Palenque, das war sehr schön, liegt ja mitten im Urwald und es ist auch besser erhalten als Monte Alban. Sehr empfehlenswert.

Am letzten Tag ging es dann noch in 2 indigene Dörfer: CHAMULA und ZINACANTAN. Also ich muss sagen, ich war sehr schockiert, angeblich soll Chamula ja zapatistisch regiert sein, steht jedenfalls so im lonely planet und auf wiki. Am Dorfeingang begrüßte und eine riesige Reklametafel mit Coca-Cola, die Werbung mit dem Dorf machte. Ich kann mich nicht mehr genau an den hirnlosen Satz der da drauf stand erinnern, irgendwas von „mit Coca-Cola lebt es sich besser“, zynischer gehts wohl nicht mehr. Als wir aus dem Bus ausstiegen wurden wir sofort von 15 bettelnden Kindern umzingelt. Der Busfahrer meinte, wir sollen den nichts geben, weil die alle reich sind. Mmh überhaupt hat er nur schlecht über das Dorf, was gar kein Dorf, sondern eher ne Kleinstadt war, gesprochen. Er meinte, die würden alle vom Staat finanziert werden und zeigt zum Beweis einige schicke Häuser. Er sprach sehr respektlos über die Einwohner. Ich fands grauenvoll und wollte am Liebsten wieder weg. Dann wieder die üblichen Buden mit Andenken. Der Busfahrer hat uns quasi das Kaufen verboten, da er meinte, dass das alles China-Mafia-Ware sei. Am Marktplatz angekommen standen ca. 200 Frauen angeblich nach Geld von der Regierung an. Es gibt ein Regierungsprogramm, welches Geld an Familien mit Kindern in den armen Regionen auszahlt, pro Kind bekommt man Geld, was angesichts der Familiensituation und der 13-14jährigen Mütter ein ziemlicher Wahnsinn ist und die Leute in einer absoluten Abhängigkeit vom Staat hält. Die Leute werden mit dem Geld erpresst, sich beispielsweise nicht mit den Zapatisten einzulassen, weil ihnen sonst das Geld gestrichen wird. Vielleicht sollte man auch lieber in sexuelle Aufklärung an den Schulen investieren, oder überhaupt sicherstellen, dass die Kinder Zugang zur Schüler haben. Die bettelnden Kinder gehen jedenfalls nicht zur Schule. Dann waren wir in der Kirche von Chamula, in der man die Vermischung des katholischen Glaubens mit der indigenen Tradition sehr gut sehen kann. Die Kirche ist mit Reisig und Kiefernnadeln ausgelegt, überall brennen Kerzen und die Leute beten unterschiedliche christliche Heilige an. Sie haben Opfergaben dabei wie Coca-Cola, Alkohol oder auch lebende Hühner. Alle sitzen auf dem Boden und Tourischarren bahnen sich zwischen den Betenden einen Weg zum Altar durch. Auch makaber. Dann hat uns noch so ein komischer Typ angesprochen, der wissen wollte woher wir kommen und mit welcher Reiseagentur wir da sind, hat sich eher nach Verhör angehört. Insgesamt hab ich mich dort mega-unwohl gefühlt und sogar bedroht gefühlt. Der ort hatte ne sehr merkwürdige Athmosphäre. Weiß jemand mehr über den Ort und die momentanen politischen Zustände? Also ich hab viel PRI-Werbung gesehen und auf dem Zocalo stand ein PRI-Parteigebäude. Ist das wirklich zapatistisch regiert? Die Zapatisten nehmen doch eigentlich keine Almosen der Regierung an? Würde ja auch ihre Autonomie untergraben. Sehr seltsamer Ausflug. Danach gings weiter ins nächste Dorf, diesmal wirklich ein Dorf. Wir wurden in einen Laden geschickt, in dem wohl die Stoffe selbst gewebt werden. Ich war nur noch misstrauisch und fand das alles mehr als merkwürdig. Als wir reinkamen fing die alte Dame dann auch wie auf Befehl an zu weben. Dann kamen traditionell angezogene Mädchen und wollten gegen Geld Fotos mit dir machen. In diesem Moment habe ich sehr gut verstanden was die Zapatisten mit Würde meinen. Alles in allem ein absolut unangenehmer und verstörender Ausflug.

Mmh das sollte also Chiapas gewesen sein? Ich war mehr als enttäuscht. Aber vielleicht haben wir nur Pech mit unseren Ausflügen gehabt? Von San Cristobal haben wir auch nicht allzu viel gesehen, aber auch das war sehr touristisch um nicht zu sagen europäisch, zumindest im Zentrum hatte man das Gefühl mehr Europäer_innen als Mexikaner_innen zu begegnen, an jeder Ecke gabs Pizza und Pasta oder schicke Hippie-Läden. Alles in Allem war ich ziemlich enttäuscht und mächtig froh mich für Oaxaca entschieden zu haben. Aber trotzdem werde ich nochmal nach Chiapas fahren und Menschenrechtsbeobachtung in den zapatistischen Gemeinden machen, das kann ja nicht alles gewesen sein.  

3. Etappe: Karibik

Am gleichen Tag ging es dann weiter nach Cancun, 17 Stunden Busfahrt im Kühlschrank (1. Klasse-Bus) standen uns bevor, vorher hatte ich mich noch auf dem Markt mit einem „wunderschönen“ China-Alpaca-Pullover eingekleidet, ja ich habs getan! Auch und für alle die auf schöne EZLN-Merchandise gehofft haben, da muss ich euch leider enttäuschen, ich hatte einfach kein Bock irgendeine China-Mafia-Ware zu kaufen. Es gibt ja wohl auch einige „zertifiziert“ Läden in San Cris, die Zapatisten-Merchandise verkaufen, wo das Geld dann auch wirklich dort ankommt aber ich hatte einfach keine Zeit mich auf die Suche zu begeben. Also keine Skimasken oder ähnliches.

Also wir am Busterminal in San Cris, es ist 16 Uhr und unser Bus kommt nicht. Naja kann ja mal passieren aber als auch nach ner halben Stunde keiner kommt, werden wir etwas nervös. In der Wartehalle ist noch ein italienisches Pärchen, die nachfragen wo der Bus denn bleibt. Es gibt eine Straßenblockade und der Bus muss nen Umweg fahren. Schöne Grüße in den Isthmus 😉 Also macht uns die Blockade schon das 2. Mal einen Strich durch unsere Reiseplanung. Der Italiener rennt ungefähr jede halbe Stunde zum Ticketschalter und beschwert sich wild gestikulierend. Sein Gesicht ist schon ganz rot, ich glaub er zerlegt gleich die komplette Einrichtung. Jedenfalls scheint die Blockade ziemlich effektiv zu sein, denn der Bus kam fast 4 Stunden zu spät. Eine Mexikanerin erzählte mir, dass dies immer bei diesem Bus so sei. Unverständlich ist mir allerdings warum die Busgesellschaft das nicht irgendwie anders organisiert, da die Blockade ja schon einige Wochen steht. Naja wer weiß. Ok also dann ging es los. Auf der Busfahrt ist nichts Spannendes passiert, keine Überfälle, ach doch irgendwann fing der Scheißbus an zu qualmen und der Busfahrer hat ne halbe Stunde den Bus mit Wasser gelöscht dann gings weiter. Ach und in Palenque haben wir einen Mitreisenden verloren, der musste pinkeln und wurde dann vom Busfahrer vergessen. Nach dieser Fahrt hab ich mir geschworen nie wieder Bus zu fahren. Dann waren wir endlich in Cancun, sieht auch nicht nach Mexiko aus, überall stehen weiße Wolkenkratzer rum und auf der Fahrt nach Cancun, sind wir an unzähligen Luxus-Spa-Hotels vorbeigekommen. Soviel Luxus hab ich noch nie gesehen, wieder diese Parallelwelten. Mit der Fähre ging es dann zur Isla Mujeres. Die Fähre war schweineteuer und nur Gringos an Board aber das Wasser war wirklich atemberaubend Türkis. Wunderschön. Naja die Insel war voll mit Amis und alle sprechen dich auf Englisch an und überall kannste mit Dollar bezahlen, die Preise sind allerdings auch 3x so teuer wie in Oaxaca. Ich habe die teuersten Enchiladas meines Lebens gegessen. Naja ansonsten gibt’s da nichts Spannendes zu berichten. Alle fahren mit Golfcarts rum, wir übrigens auch aber das war tatsächlich ziemlich lustig, waren überall auf der Insel, allerdings sind so gut wie alle Strände privatisiert und man kommt nur rein, wenn man sich in nen teures Hotel setzt und konsumiert. Aber wir haben einen Aussteiger auf ner einsamen Insel auf der Lagune gefunden. Das war ziemlich cool, der hat sich alles selbst gebaut, unzählige Flösse, eine Hantelbank, ein Garten, ein Haus, Hängematten,…

An einem anderen Tag sind wir nach Tulum gefahren, dort befindet sich eine Mayastätte direkt an den Klippen über dem Meer, das war wunderschön. Einfach paradiesisch! Überall sind Leguane und man darf dort auch baden. Unbedingt hinfahren! Übrigens soll auch auf der Insel „Cozumel“ in der Karibik ein Windpark gebaut werden, viele Umweltschützer sind dagegen, weil der Windpark die Artenvielfalt dort gefährden wurde. Das Projekt wurde auch schon einmal abgelehnt, allerdings versucht das Unternehmen weiterhin den Windpark durch zu setzen. Nach ein paar Tagen Karibik und einem „schönen“ Sonnenbrand ging es Richtung Mexiko-Stadt oder wie der_die Mexikaner_in sagt DF.

4. Etappe Mexiko-Stadt

Also mein erster Eindruck war eigentlich ganz ok, nicht so schlimm wie ich mir diese riesen Stadt mit mehr als 20 Millionen Einwohner_innen und mit einer der größten Verbrechensrate der Welt vorgestellt hatte. Wir haben die typischen Tourisachen gemacht, Haus von Frida Kahlo, historisches Zentrum und Leo Trotzki Museum, Murales von Diego Rivera. War alles sehenswert. Das Haus von Frida ist wirklich wunderschön, lohnt sich auf jeden Fall, man kann sich quasi vorstellen wie sie dort in ihrem Bett lag und zeichnete. schaut euch mal den Film „Frida“ an, der ist super schön und spielt in diesem Haus. Leider war der Regierungspalast aufgrund einer riesigen Militärveranstaltung auf dem Zocalo gesperrt und ich konnte mir die Bilder von Diego nicht anschauen. Scheiß Militär!

Am nächsten Tag hatte ich die geniale Idee nach Xoximilco, einem Stadtteil, der unzählige Kanäle wie Venedig hat, weiter außerhalb zu fahren. Schon die Fahrt dorthin hat über eine Stunde gedauert. Es war ein Tipp im lonely planet und früher wurde dort mal Gemüse und Obst angebaut. Wir hatten einfach Lust auf ein bisschen Natur und so´ne Kahnfahrt hat sich ganz lustig angehört. Es wurde jedoch zum regelrechten Alptraum. Als wir aus der Bahn stiegen, wurden wir von sehr zwielichtigen Gestalten, die angeblich Touri-Guides sein sollten in Empfang genommen. Sie wollten uns in umgebauten Fahrrädern zu den Booten bringen wir haben dankend abgelehnt. Allerdings wurde es nicht besser, an jeder Ecke standen diese Gangstertypen rum und sie sind mit Motorrädern und Fahrrädern um uns rumgefahren und haben uns zu den Booten gelotst. Ich hab ja schon viele heikle Situationen in Mexiko erlebt, aber das hat mir wirklich Angst gemacht. Na gut wir also erst mal in den nächsten Imbiss und was gegessen. Dann weiter Richtung Boote am Eingang stand so´n fettes Auto und ne mehrfach operierte Frau davor und mehrere Typen gammeln da rum. Also das sah alles nicht vertrauenserweckend aus. Dann wollte uns so´n Typ ne Dreiviertelstunden-Tour für 500 pesos andrehen, obwohl riesengroß auf nem Schild 300 für eine Stunde stand. wir haben den Heimweg angetreten, allerdings wurde es nun auch schon dunkel und diese Typen haben uns nun nicht mehr den Weg zur Bahn gezeigt und auch ziemlich böse geguckt, sehr gruselige Gegend. Zum Glück haben wir die Bahn noch gefunden und haben uns so schnell wie möglich auf dem Heimweg gemacht. Am nächsten Tag ging es wieder zurück nach Oaxaca.

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Aktuelles zum Konflikt um den Windpark in Oaxaca

Staat gibt dem Unternehmen „marena renovables“ zum Bau des Windparks im Isthmus Rückendeckung und spricht nur von einer Minderheit von „Betrunkenen“ und „Fortschrittsverweigeren“ die gegen den Bau seien und damit auch gegen die „Verbesserung der Welt“. naja an Zynismus und Absurdität kaum zu überbieten

http://www.noticiasnet.mx/portal/oaxaca/general/136291-respalda-cue-marena-renovables

derweil erhalten die Aktivist_innen Mordrohungen und die Polizei ist weiterhin vor Ort, Bewohner_innen befürchten erneute Übergriffe

Bericht mit Bildern über die Übergriffe am vergangenen Wochenende in der Gemeinde Álvaro Obregón

inzwischen hat sich auch amnesty international mit einer Aktion von Protestbriefen eingeschaltet

außerdem wurden heute von Gegner_innen des Windparks mehrere Straßen blockiert und vor den CFE-Büros (mexikanische Elektrizitätskommision), die auch an dem Megaprojekt mitbeteiligt ist, protestiert

http://www.imparcialenlinea.com/

 

 

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Situation der Triqui-Frauen in Oaxaca

Bericht ueber die schwierige Situation der Frauen in der Region Triqui Oaxaca

Hintergrundartikel ueber den vielschichtigen Konflikt in der Triqui- Region

Bei soviel Gewalt und der Komplexitaet des Konfliktes fehlen einem einfach die Worte…

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Mexiko: Die Dinosaurier sind zurück

Veranstaltung

Mexiko: Die Dinosaurier sind zurück

Zeit: 22. Februar 2013, 19:00 Uhr
Ort: Bildungswerk Berlin der HBS, Kottbusser Damm 72, 10967 Berlin, (U7/U8 Hermannplatz)

Mit: Wolf Dieter Vogel (Journalist)

12 Jahre nach ihrer Abwahl ist die mexikanische Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI) wieder an der Macht: Ihr Kandidat Peña Nieto ist neuer Präsident. Die Partei PAN, die mit den Präsidenten Fox und Calderón zwei Amtszeiten regiert hat, konnte die zunehmende Gewalt und die Armut nicht einzudämmen. Die Opposition spricht von Wahlbetrug wegen illegaler Wahlkampffinanzierung und Stimmenkauf durch die PRI.
Soziale Bewegungen protestieren und fürchten die Rückkehr der „perfekten Diktatur“ und des Autoritarismus der jahrzehntelangen PRI-Dynastie. Die Regierung Peña Nieto verspricht dagegen Strukturreformen. Wie ist dieses Versprechen rund 100 Tage nach Regierungsantritt zu bewerten?

Teilnahme frei. Anmeldung unter: global@bildungswerk-boell.de

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Erneute Attacke

Erneute Attacke der Polizei im Isthmus von Tehuantepec

Am 2. Februar kam es zu einem erneuten Angriff der Bundespolizei auf die Dörfer im Widerstand (pueblos en resistencia) gegen den Bau eines Windparks im Isthmus. 400 bewaffnete Polizisten drangen in das Dorf, Álvaro Obregón, ein und umzingelten das Widerstandscamp. Es kam im Laufe des Tages zu 3 Auseinandersetzungen zwischen bewaffneter Polizei und den Aktivist_innen. Mehrer Aktivist_innen wurden dabei verletzt. Die Bullen nahmen 2 Fischer fest.

Zuvor kam es am 31.01.2012 zu wiederholten Morddrohungen gegen Aktivisten. Der Staat versucht die Aktivisten einzuschüchtern und setzt weiterhin die Interessen des Unternehmens „mareña renovables“ durch.

Aufnahmen von der Attacke der Polizei in Álvaro Obregón am 2.2.2013

weitere Videos und Artikel findet ihr hier


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